Technik und Preise

Sonntag 22.04.2012 20:54


Eindrücke zur Branche Kameramann...

(Mal laut gedacht..)

Macht Ihr Fotoapparat gute Bilder?

Sobald mich jemand fragt, ob denn dieser Fotoapparat gute Bilder macht, fühle ich mich spontan veranlasst zu sagen "Nein", denn ein Fotoapparat macht nur so gute Bilder wie die Person hinter der Kamera Gutes aus ihm hervorzuholen vermag.

 

 

Macht mehr Geld einen besseren Film?

Wenn diese Frage im Raum steht, beginnt der Moment der Wahrheit. Leider.. ja, ist wohl die ehrliche Antwort! Durch die Konsumwelt geprägt, ist es bei der Produktherstellung wohl als logisches Selbstverständnis anzusehen, das man mit Gewissheit feststellen muss, dass man mit hochwertigeren Zutaten ein anspruchsvolleres Produkt herstellen kann. Klar können wir mit viel Geld und schlechter Story auch einen schlechten Film machen, aber mit einer guten Story, guten Darstellern und einem anspruchsvollen Bild steigern wir die Wertigkeit des Films. Auch wenn es der Zuschauer nicht auf den ersten Blick erkennt wertet es doch sein Unterbewusstsein, weil er automatisch jeden aktuellen Film mit anspruchsvollen zurückliegenden Filmen vergleichen wird. Wenn extremes Sparen angesagt ist, wird meist dort gespart wo es der Konsument nicht gleich sieht, schmeckt oder fühlt. Dann ist eben eine Zoomfahrt oder ein Schwenk der Ersatz für eine edle und harmonisch geführte Schienenfahrt. Dass als Dauerlook die Wackel - Handkamera authentischer ist, als eine Stadycam oder eine Schienengeführte Kamerabewegung, ist eigentlich die handelsübliche Ausrede um Kosten zu sparen. Oft wird auch dort gespart, wo es der Zuschauer übel nimmt, monumentaler Dekorationsaufwand kombiniert mit (billigen) Darstellern. Auch ist es nicht selten, dass ein extremer Aufwand in Vorbereitung, Dekoration und Darsteller langwierig betrieben wird um dann aus Gründen der Ersparnis auf eine Wiederholung der Szene verzichtet wird. Nicht ohne Grund, gab es in der ersten Hälfte der Filmgeschichte die Vier - Mann - Teams: Kamera, Ton, Licht und Redaktion. Alles dies waren ürsprünglich anerkannte und verantwortliche Berufe. Viele Berufsparten werden heute aus Kostengründen zusammengefasst.

 

Müssen wir sparen?

Ja, es ist der absolute Geschäftstrend und heute für die meisten Produktionsfirmen die einzige Überlebenschance sich den großen Filmindustrien gegenüber zu behaupten. Den endlos überzogenen Gagen wird es an den Kragen gehen. Es muss der Trend sein, dort mit dem Rotstift zu beginnen, denn dort wurde großes Geld oft sinnlos zum Leid der Anleger und Investoren im Winde verweht. Nicht an der Überstunde des Beleuchters sollte eingespart werden, der als Erster kommt und am Set als letzter den LKW beladen muss, während alle anderen schon im warmen Lokal nebenan sitzen und das Bergfest feiern. Grundsätzlich dort zu sparen wo es angebracht ist sollte Trend sein und ist meine Basisüberlegung bevor ich die Grundfundamente eines technischen Aufwands kalkuliere. Jeder technische Aufwand sollte im Verhältnis zur Zielgruppen -Nutzung stehen. Kino in Großprojektion, Seriencharakter mit Pilotfilm, Reportage mit Reiseaufwand, Magazinsendung, aktuelles Tagesgeschehen (Einmal-Produkte) oder die Präsentation auf einer Webseite im Internet. Alles dies sind extrem unterschiedliche Verwendungszwecke mit völlig unterschiedlichem Mehrfachnutzen. Der Technikaufwand sollte gezielt darauf abgestimmt sein. Aus meiner Grundeinstellung ergibt sich, dass ein Technikeinsatz nur dann richtig geplant ist, wenn situationsbezogen das Bestmögliche damit heraus geholt werden kann. Die Tatsache das eine bestimmte Technik unter Filmemachern aktuell zu jedem Preis gerade angesagt ist, sollte kein Entscheidungskriterium darstellen. Aufwendige oder einfache Technik gehört dort zum Einsatz wo sie den besten Erfolg erzielt. Kein Technikeinsatz oder Vorgehensweise ist der Schlüssel zum Erfolg für alle medialen Bildbereiche. Das grundsätzliche Bestreben sollte sein, mit minimalem Aufwand ein gutes Endergebnis zu erzielen!

 

Sind Überstunden selbstverständlich?

Auf Anfahrtsgagen und Überstunden kann in speziellen Fällen verzichtet werden und der technische Aufwand so gering gehalten werden, das durch diese Grundeinstellung überhaupt erst eine Produktion ermöglicht werden kann. Ein hochwertiges Endergebis ist trotzdem möglich. Filmschaffende werden sich zunehmend mit der Rolle des Produzenten identifizieren müssen und mehr Respekt vor einer Projektbeschaffung verbunden mit Arbeitsplätzen aufbringen müssen.

 

Gezielter Aufwand, ganz klein gehalten!

Diese Denkweise ist Fundament meiner langjährigen Produktionsart, mit kleinen Mitteln Großes zu bewirken um damit wirkungsvolle Ergebnisse zu erzielen. Wie etwa eine weiße Styroporplatte gespickt mit einer Bildzeitung. Indirekt angeleuchtet, bewirkt dies in einem Gesicht einer Person eine exzellente natürliche Farbe und Beleuchtungsart. Not macht erfinderisch, zum Beispiel wenn Omas Vorhang ein extrem weiches Licht verursacht, oder ein braunes/dunkelrotes Handtuch indirekt angeleuchtet einen überraschenden nostalgischen Effekt hinterlässt.Wenn ein Bürostuhl als Dolly dienen kann, ein Autoscheinwerfer eine Beleuchtung ersetzt oder eine Straßenlaterne eine letzte rettende Alternative für eine notwendige nächtliche Stromzufuhr ist.

 

Was kann passieren?

Alles, auch das was wir niemals für möglich halten ist in der Filmbranche nicht unwahrscheinlich. Ich bin schon lange genug in der extremsten Branche der Welt um damit umzugehen, daß trotz sorgfältigster Vorbereitung und Planung alles gegen einen einwandfreien Ablauf vor Ort sprechen kann. Darsteller kann seinen Text nicht, der Drehort entpuppt sich als visuellen Katastrophe, Hochwertige Technik versagt, Extrem-Situationen durch Charakter-Kombinationen in größeren Teams, Alkohol- oder Drogeneinwirkung, Drehgenehmigungen werden entzogen, eine illegale Drehsituation, Grenzübergänge müssen überwunden werden, konzeptlose Redakteure oder Regisseure müssen aufgefangen werden und unerkannt bleiben, Gefahrensituationen am Drehort selbst oder von außerhalb des Drehortes, Umweltkatastrophen, unerwartete Panikreaktionen, gefährlicher Leichtsinn im Team, gefühlsartige Überreaktionen, Geldmittel werden gekürz, unerwartete Wettersituationen (kälte und Hitze), und andere Mentalität in anderen Ländern (durch International Denkweise). Mit solchen Dingen zu rechnen ist die beste Methode, um beeinträchtigungen des Drehablaufes zu vermeiden.

 

Welche Erfahrung ist die Beste?

Jeden Tag eine neue Erfahrung. Eine Erfahrung ist es mich neuen Stilmitteln öffnen zu müssen. Die schnelle (Situationsbezogene Kameraführung), mit dem linken Auge das zu erkennen, was das rechte Auge noch lange nicht sieht. Oder nach Dialogen der Akteure zu erfahren was mich visuell als nächstes erwarten wird, um dann gezielt im gleichen Moment den Kameraausschnitt und die Schwenkrichtung anzupassen.

 

Masse macht glücklich!

Das hat natürlich nichts mit der Handhabung einiger Filmgenossen zu tun, die der Meinung sind, daß beim Draufhalten schon etwas Verwendbares dabei sein wird. Das unterscheidet wohl den Filmkameramann vom Videografen. Der Filmkameramann ist es gewohnt, sich jede Szene gezielt zu überlegen, denn jeder Meter Film kostet in der Kettenreaktion eine Menge Geld. Die Denkweise mancher Videografen macht sich natürlich häufig deutlich in der sinnlosen Kassettenfülle bemerkbar. Der Filmkameramann sollte auch nicht an der gedrehten Stückzahl der Kassetten gemessen werden. Manche Redakteure lassen sich gerne von der Stückzahl der Kassetten beeindrucken, weil sie glauben dass je höher die Anzahl der Kassetten desto größer die Ausbeute ist. Das Ziel sollte es sein, das gewünschte Ergebnis mit so wenigen Kassetten wie möglich zu erzielen und damit den Sichtungsaufwand gering zu halten.

 

Durchhalten ist angesagt!

Aus Erfahrungen und eigenem Anspruch heraus unterwarf ich mich bis heute einer für mich sehr wichtigen Grundregel. Die erste etablierte Bildidee und das damit festgelegte Bildniveau vom ersten Drehtag bzw. vom ersten Szenenbild, ist somit auch der Maßstab für das letzte Bild am letzten Drehtag. Bei Drehbeginn ist somit das Aufwandverhältnis der ersten Szenen so einzuschätzen, das die Kraft, Energie und das Bildniveau des Films bis zum Ende der Dreharbeiten durchgehalten werden können.

 

Die erste und die zweite Hälfte!

Als schließende Anmerkung nehme ich den Satz von Walter Lassally (Kameramann "Es war einmal in Amerika") den er mir in einem persönlichem Gespräch mit auf dem Weg gab. "In der ersten Hälfte Deines Lebens erlernst Du Deinen Beruf als Kameramann und in der zweiten Hälfte Deines Lebens, lernst Du in der Schnelligkeit die richtigen Entscheidungen zum richtigen Moment zu treffen um Deine Ziele und Ansprüche zu erreichen".

 

Manche Berufeinsteiger beeindrucken mich mit ihrem technischen Basiswissen – was bei täglich wechselnder Technik eine anzuerkennende Wertigkeit eines guten Kameraassistenten hervorhebt. In der Schnelligkeit die richtigen Entscheidungen zu treffen, verbunden mit der Fähigkeit für alle Probleme und Unmöglichkeiten eine Lösung zu finden, gibt dem erfahrenen Kameramann seine Daseinsberechtigung.

 

Deswegen bin ich für Ihr Projekt der richtige Partner um konstante und hochwertige Arbeit zu garantieren!